Spurensuche in Italien

Die Himmelsscheibe von Nebra wird neu untersucht

Himmelsscheibe von Nebra

Noch immer sind nicht alle Fragen in Bezug auf der in Deutschland gefundenen Himmelsscheibe von Nebra beantwortet. Neue Untersuchungen an der Adriaküste sollen nun endlich zwei wichtige Fragen zu dem mysteriösen Artefakt beantworten.

Halle (Deutschland). Bei der Himmelsscheibe von Nebra handelt es sich um eine etwa 3.700 bis 4.100 Jahre alte Bronzeplatte mit diversen kleineren Goldapplikationen. Dieses Artefakt ist die älteste bisher bekannte, astronomisch korrekte Darstellung des Himmels und seit dem Jahr 2013 Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Vor rund 3.600 Jahren wurde die Himmelsscheibe von Nebra vermutlich bewusst vergraben und im Jahr 1999 von Raubgräbern auf dem Mittelberg in der damaligen Gemeinde Ziegelroda nahe der Stadt Nebra in Sachsen-Anhalt wiederentdeckt. Seitdem wird die Himmelsscheibe von Nebra von Wissenschaftlern untersucht. Viele Fragen zu dem Artefakt der Aunjetitzer Kultur konnten bereits beantwortet werden, jedoch sind bis heute auch noch viele Fragen offen. Woher stammt das Wissen auf der Himmelsscheibe von Nebra und wie ist das Artefakt vor etwa 3.600 Jahren nach Deutschland gelangt? Neue Untersuchungen, unter anderem in einer Grotte im Süden Italiens, sollen diese Fragen nun endlich beantworten.

Das Fehlen eines wichtigen Bindeglieds

Über die Funktionsweise der Himmelsscheibe von Nebra ist bereits viel bekannt, den Forschern fehlt aber ein wichtiges Bindeglied. „Wir wissen heute, dass die Ursprünge des Bildprogramms auf der Scheibe in Ägypten und dem Zweistromland liegen. Wir wissen aber nicht, auf welchem konkreten Weg diese Informationen nach Mitteleuropa gelangten“, erklärt Professor François Bertemes vom Institut für Kunstgeschichte und Archäologie Europas von der Universität Halle.

Aus diesem Grund begeben sich nun Archäologen an die Adriaküste. „An der Adriaküste im Süden Italiens wurden rund 3.700 Jahre alte Scherben gefunden, die auf die bronzezeitliche Hochkultur der Minoer auf der griechischen Insel Kreta verweisen“, erklärt Bertemes. Die Forscher vermuten, dass damals ein näherer Verwandter eines bronzezeitlichen Fürsten nach Ägypten reiste und dort die Himmelscheibe von Nebra erhielt. Eine der damaligen Standardrouten führte per Schiff über das Mittelmeer, meist mit einem Zwischenstopp auf Kreta. Der Rückweg führte die Reisenden demnach von Ägypten, über Kreta zur Adriaküste und von dort bis zur Po-Ebene, über die Alpen bis nach Mitteldeutschland.

Gezielte Suchaktionen an mehreren Standorten

Auf der Suche nach weiteren Hinweisen zur Himmelsscheibe von Nebra untersuchen Archäologen gezielt mehrere Standorte. „Die erste Station ist die Küste von Torre Guacete“, wo eine Unterwasserdrohne (AUV) nach einem dokumentierten Schiffswrack tauchen soll. Zudem soll auf zwei vorgelagerten Inseln, unter und über Wasser, nach weiteren bronzezeitlichen Funden gesucht werden.

Eine weitere Anlaufstelle der Archäologen ist Roca Vecchia, wo sich in der Bronzezeit ein wichtiger Hafen befand. Zudem werden die Forscher die berühmte Grotta della Poesia untersuchen. Ursprünglich hatte die Grotte einst eine geschlossene Decke, die jedoch in der Zeit nach der Antike einstürzte.

Von der Untersuchung der Grotte erhoffen sich die Archäologen sehr viel, denn auf etwa 600 Quadratmetern Wandfläche befinden sich tausende nur schwer entzifferbare Inschriften. „Auffällig ist eine ganz bestimmte Schiffsdarstellung. Ein solches Schiff ist auch auf der Himmelsscheibe abgebildet“, erklärt der Landesarchäologe Harald Meller.

Die Forscher wollen den Grund der Grotte mit einem Magnetometer absuchen. Zudem versuchen sie einen zweiten, bisher unbekannten Zugang zur Grotte zu finden. Derzeit werden die unzähligen Inschriften von den italienischen Kollegen systematisch abfotografiert, um sie später am Computer genau analysieren zu können.

0 Kommentare

Schreib uns deine Meinung
Diese Seite ist geschützt durch reCAPTCHA und es gelten folgende Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen von Google.