Enthornung überflüssig

Genmanipulation ermöglicht Zucht von hornlosen Rindern

Genmanipulation macht Enthornung überflüssig

Wissenschaftler haben per Genmanipulation Rinder gezüchtet, die ohne Hörner zur Welt kommen. Es kann so auf die schmerzhafte und umstrittene Enthornung der Kälber verzichtet werden. Die Zulassung für die Lebensmittelproduktion liegt bisher allerdings noch nicht vor.

Davis (U.S.A.). In der Landwirtschaft und besonders in der Massentierhaltung werden auch in Deutschland kaum noch Rinder mit Hörnern gehalten, weil dies die Unfall- und Verletzungsgefahr deutlich verringert. Die sogenannte Enthornung der Tiere, die häufig kurz nach der Geburt erfolgt, ist aus Tierschutzgründen jedoch umstritten, da trotz Betäubungs- und Schmerzmitteln bei den Kälbern Schmerzen entstehen. Einige Studie kamen sogar zu dem Ergebnis, dass auch Monate nach der Enthornung bereits leichte Berührungen erneut Schmerzen auslösen können.

Einige Zuchtformen wie das Angus- und das Gallowayrind werden hingegen aufgrund ihre Gene ohne Hörner geboren. Außerdem tritt auch bei Rassen, die normalerweise über Hörner verfügen gelegentlich eine Mutation auf, die dazu führt, dass sich bei den Rindern keine Hörner bilden.

Genmanipulation für Rinder ohne Hörner

Wissenschaftler der University of California in Davis haben deshalb nach einer Möglichkeit gesucht, durch gentechnische Verfahren die gewöhnlich für die Milch- und Fleischproduktion genutzten Rinderrassen so anzupassen, dass auch diese ohne Hörner zu Welt kommen. Laut der im Fachmagazin Nature Biotechnology veröffentlichten Studie haben die Forscher um Amy Young dafür zwei Bullen gezüchtet, die über zwei dominante Gene für Hornlosigkeit verfügen.

Anschließend nutzten die Wissenschaftler die Bullen und weibliche Hereford-Rinder, die normalerweise über Hörner verfügen, für ein Zuchtexperiment, bei dem sechs Kälber geboren wurden. Laut den Ergebnissen der Studie bildeten sich auch nach mehreren Monaten bei keinem dieser Kälber Hörner. Nebenwirkungen wie ein vermindertes Wachstum oder andere gesundheitliche Einschränkungen konnten nicht festgestellt werden. Eine Analyse der Erbguts zeigte außerdem, dass alle Kälber das Hornlos-Allel ihres Vaters übernommen hatten.

Zulassung für Lebensmittelproduktion schwer möglich

Problematisch ist laut den Wissenschaftlern, dass bei vier der sechs Kälber Plasmide, die verwendet wurden, um das genetische Merkmal für Hornlosigkeit in die Väter einzuschleusen nachgewiesen werden konnten. Es handelt sich dabei um bakterieller DNA, die den Tieren zwar keine Schaden zufügt aber eine für die Lebensmittelproduktion und Zucht nötigen Zulassung erschwert. Unerwünschte Veränderungen der Gene konnten die Wissenschaftler hingegen nicht feststellen.

Als mögliche Lösung sehen die Wissenschaftler die Nutzung eines Screeningverfahrens, mit dem die Kälber, die die problematischen Plasmide enthalten von der weiteren Zucht ausgeschlossen werden können. Es wäre so möglich die Weiterzucht von Rindern ohne Hörner ausschließlich über Tiere durchzuführen, die über nur über das natürlich vorkommende Allel verfügen.

Laut den Wissenschaftlern „sind die im Rahmen der Studie geborenen Kälber ihres Wissens nach die ersten Nachkommen eines gentechnisch veränderten Bullen.“ Sie konstatieren, dass die Ergebnisse der Studie zeigen, dass „gesunde hornlose Rinder mit der gewünschten Genveränderung gezeugt werden können.“  Sollte eine Zulassung erfolgen, könnten so in Zukunft im kommerziellen Umfang genetisch veränderte Rinder ohne Hörner gezüchtet werden, was die Enthornung überflüssig machen würde.

Nature Biotechnology, doi: 10.1038/s41587-019-0266-0

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