90 Prozent betroffen

Schädliches Hormon Bisphenol A in Babysocken nachgewiesen

Schädliches Hormon Bisphenol A in Babysocken nachgewiesen

Eine spanische Studie hat in Babysocken das gefährliche Hormon Bisphenol A nachgewiesen, das unter anderem das Wachstum stört und Autismus begünstigt. Besonders stark belastet sind günstige Produkte, in vielen teuren Textilien wurde das Umwelthormon aber auch gefunden. 

Granada (Spanien). Wissenschaftler der Universität Granada haben nachgewiesen, dass die Chemikalie Bisphenol A (BPA) in Babysocken verwendet wird. Bisphenol A wird vor allem als Zusatzstoff in Weichmachern verwendet, die zum Beispiel für die Produktion von Plastikflaschen und anderen Kunststoffen verwendet werden. Da die Chemikalie in den Hormonhaushalt des Menschen eingreifen kann, ist ihr Einsatz umstritten. In Deutschland wurden im Jahr 2010 trotzdem 400.000 Tonnen BPA verarbeitet.

BPA steht unter anderem im Verdacht Autismus auszulösen oder zumindest zu begünstigen sowie Übergewicht zu fördern und Wachstumsprozesse zu behindern. Im Vergleich zu Erwachsenen reagieren Babys deutlich empfindlicher auf Störungen des Hormonhaushalts. Der Einsatz von BPA in Produkten für Babys und Kinder ist deshalb besonders bedenklich.

BPA in Babyflaschen verboten

Aufgrund der Risiken hat die Europäischen Union (EU) bereits 2011 den Einsatz von BPA in Babyflaschen verboten, andere Babyprodukte dürfen das Umwelthormon aber weiterhin enthalten. Laut der im Fachmagazin Environment International veröffentlichten Studie, wird das Hormon zum Beispiel bei der Produktion von Kinderkleidung eingesetzt. Die Wissenschaftler haben zum Nachweis 32 Paar Socken gekauft, die für Babys und Kinder zwischen einem und 48 Monaten angeboten werden. Erworben wurden die Produkte, die mit Preisen zwischen 1,50 Euro und 7.95 Euro alle Preiskategorien abdecken, im spanischen Einzelhandel.

90,6 Prozent der Socken mit BPA belastet

Die anschließende Untersuchung der chemischem Zusammensetzung zeigte, dass 90,6 Prozent der Socken mit BPA belastet sind. Die Konzentration schwankte jedoch deutlich und lag zwischen 0,7 bis 3,736 Nanogramm BPA pro Gramm Stoff. Den mit Abstand höchsten BPA-Anteil konnten die Forschern in einem günstigen Socken eines lokalen spanischen Herstellers finden.

Neben Bisphenol A wurde bei der chemischen Analyse der Stoffe in allen Proben noch Parabene wie Ethylparaben und Methylparaben nachgewiesen, die ebenfalls im Körper wie Hormone wirken können. Bei der Untersuchung der hormonellen Aktivität gab es wie schon beim BPA-Anteil eine große Spannweite. Bei den günstigen Produkten wurde in 83,3 Prozent eine östrogenartige Aktivität nachgewiesen, bei den teureren Markenprodukten lag der Anteil wesentlich niedriger.

Risiken schwer einzuschätzen

Ob die Chemikalien im Falle der Babysocken auch wirklich gesundheitsschädigend auf den Hormonhaushalt wirken ist noch unklar, da die Wissenschaftler noch nicht untersucht haben, ob beim Kontakt über die Haut bedenkliche Konzentrationen aufgenommen haben. Als besonders risikobehaftet sehen die Autoren der Studie aber das Fuß-Nuckeln an, durch das Babys da Hormon direkt über den Mund aufnehmen können.

Aufgrund der weiten Verbreitung wollen die Wissenschaftler Eltern und Hersteller auf das mögliche Problem aufmerksam machen und Maßnahmen durch die spanische Regierung sowie die EU fordern, um so eine strengere Regulierung bei der Verwendung von endokrinen Disruptoren in der Textilproduktion zu erreichen.

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