Pohang EGS

Geothermie-Bohrungen verantwortlich für starkes Erdbeben in Südkorea

Geothermie-Bohrungen verantwortlich für starkes Erdbeben in Südkorea

Geothermie-Bohrungen haben in Südkorea dazu geführt, dass eine Gesteinsschicht in 4.000 Metern Tiefe gebrochen ist. Als Folge dessen wurde das zweitstärkste dokumentierte Erdbeben des Landes ausgelöst, bei dem 135 Menschen teilweise schwer verletzt wurden.

Potsdam (Deutschland). Seoul (Südkorea). Eine gemeinsame Studie des Helmholtz-Zentrums in Potsdam und der Seoul National University bestätigt, dass das Erdbeben in der der südkoreanischen Hafenstadt Pohang am 15. November 2015 keinen natürlichen Ursprung hatte, sondern durch Geothermie-Bohrungen ausgelöst wurde. Mit einer Stärke von 5,5 auf der Richterskala war das Erdbeben das zweitstärkste Beben seit Beginn der Aufzeichnung in Südkorea. Insgesamt wurden 135 Menschen verletzt, 1.700 Menschen mussten aufgrund zerstörter oder einsturzgefährdeter Häuser umziehen und es entstand ein Sachschaden von 266 Millionen Euro.

Laut der im Fachmagazin Geophysical Journal International veröffentlichten Studie wurde das Erdbeben durch das Pohang EGS Projekt ausgelöst, bei dem mit einem Druck von bis zu 900 Bar durch zwei Bohrlöcher Wasser in tiefe Gesteinsschichten eingebracht wurde. Die hydraulische Stimulation des Enhanced Geothermal System (EGS) sollte innerhalb der Gesteinsschichten aus vorhandenen Rissen ein großes Wasserreservoir bilden, das dann von einem geplanten Kraftwerk als Wärmetauscher verwendet werden sollte.

Bruchflächen als Erdbebenursache

Durch den enormen Druck des Wassers, das in die Gesteinsschicht in etwa 4.000 Metern tiefe gepresst wurde, kam es dazu, dass eine vorher nicht entdeckte Bruchfläche plötzlich zerstört wurde, was in Folge das Erdbeben ausgelöst hat.

Zwei unabhängige Studien, die eine südkoreanische Forschergruppe und eine internationale Forschergruppe bereits 2018 im renommierten Fachmagazinen Science veröffentlicht haben, kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Die nun veröffentlichte Studie konkretisiert die Ergebnisse nochmals und kommt klar zu dem Schluss, dass die Geothermie-Bohrungen die Ursache des Erdbebens war.

Die Wissenschaftler haben dazu zusätzliche Daten berücksichtigt, die die Studien aus dem Jahr 2018 nicht betrachtet haben, wie die Spannungszustände der Gesteinsschichten in der Nähe des Bohrlochs. Zusätzlich analysierten die Forscher fünf kleinere Erdbeben, die zuvor bei hydraulischen Stimulationen des Gesteins aufgezeichnet wurde.

John Townend von der Victoria University in Wellington erklärte, dass „gezeigt werden konnte, dass die EGS-Aktivitäten die große Bruchstelle beeinflusst haben, die schließlich geborsten ist.“ Computersimulationen haben weitere Belege dafür gebraucht, dass der hohe Wasserdruck innerhalb der Gesteinsporen übermäßiger Spannungen ausgelöst hat. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass bereits Wasserverpressungen mit deutlich geringer Kraft ausgereicht hätten, um seismische Aktivitäten in dieser Region auszulösen.

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