Dreifache Dosis

Cannabiskonsumenten brauchen deutlich mehr Narkosemittel

Cannabiskonsumenten brauchen deutlich mehr Narkosemittel

Personen, die regelmäßig Cannabis, große Mengen Alkohol oder andere psychoaktive Substanzen konsumieren benötigen bei medizinischen Eingriffen bis zu 220 Prozent mehr Narkosemittel, als Personen die kaum oder nur sehr selten Drogen zu sich nehmen. Dies liegt daran, dass die Entgiftungsfunktion der Leber aufgrund der häufigen Einnahme von Drogen schneller arbeitet und somit auch Narkosemittel schneller abbaut.

Grand Junction (U.S.A.). Personen, die regelmäßig Cannabis konsumieren haben laut einer Studie, die im Fachmagazin The Journal of the American Osteopathic Association veröffentlicht wurde, bei medizinischen Eingriffen einen erhöhten Bedarf an Narkosemitteln. Die Studie wurde im US-Bundesstaat Colorado durchgeführt, in dem es seit 2012 legal ist Cannabis zu konsumieren. Durch die Legalisierung von Cannabis, die auch neun andere US-Bundesstaaten betrifft, ist der Cannabiskonsum laut Schätzungen im Zeitraum von 2007 bis 2015 um mehr als 40 Prozent angestiegen.

Im Rahmen der Studie haben die Wissenschaftler rund um Mark Twardowski von der Klinik Western Medical Associates aus 1.158 Personen, die in den Jahren 2016 und 2017 dort behandelt wurden 250 Personen zufällig ausgewählt. 10 Prozent der Probanden gaben vor ihrer Behandlung an, dass sie regelmäßig Cannabis konsumieren. Anschließend haben die Wissenschaftler anhand der Patientenakten abgeglichen wie hoch die gegebene Narkosemittelmengen bei den jeweiligen medizinischen Eingriffen war. Neben dem Cannabiskonsum wurde auch regelmäßiger Alkoholkonsum sowie Opiate- und Benzodiazepinkonsum berücksichtigt.

Cannabis reduziert Wirksamkeit von Narkosemitteln

Die Patienten, bei denen in der Klinik in Grand Junction Magen- und Darmspiegelungen durchgeführt wurden und die angaben täglich Cannabis zu konsumieren, brauchten im Durchschnitt eine 14 Prozent höhere Dosis des Schmerzmittels Fentanyl. Fentanyl ist ein synthetisch produziertes Opioid, das vor allem als Anästhetikum und zur Behandlung chronischer sowie akuter Schmerzen eingesetzt wird.

Auch beim kurzzeitig wirksamen Benzodiazepin Midazolam, das vor allem aufgrund seiner beruhigenden und schlaffördernden Wirkungen in der Medizin eingesetzt wird, benötigten die Patienten, die täglich Cannabis konsumierten eine 20 Prozent höhere Dosierung. Die größte Abweichung von Durchschnitt konnten die Forscher beim Narkosemittel Propofol feststellen, welches bei kleineren Routineuntersuchungen wie Magen- oder Darmspiegelungen Anwendung findet. Im Vergleich zu Personen die nie oder kaum Cannabis konsumieren, hier lag die benötigte Dosis bei Personen, die täglich Cannabis zu sich nehmen um 220 Prozent höher.

Entgiftungsfunktion der Leber arbeitet schneller

Ähnliche Beobachtungen konnten auch in Deutschland gemacht werden. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin fragt aus diesem Grund, in ihrem empfohlenen Patientenfragebogen, seit rund zehn Jahren ebenfalls den Drogenkonsum von Patienten ab.

Laut Götz Geldner, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Klinikum in Ludwigsburg, sind die „Ergebnisse der Studie nicht überraschend.“ Geldner, der nicht an der Studie teilgenommen hat, erklärt, dass die Praxiserfahrung unter Anästhesisten ebenfalls zeigt, dass „Patienten, die viel Alkohol oder andere psychoaktive Substanzen zu sich nehmen mehr Narkosemittel benötigen.“

Dies liegt laut ihm daran, dass „die Leber ihre Entgiftungsfunktion steigert, wenn sie häufig Cannabinoiden oder Alkohol abbauen muss.“  Als Folge dessen, werden auch Narkosemittel schneller abgebaut, als bei Personen, die keinerlei Drogen oder Alkohol in hohen Mengen konsumieren.

In Folgestudien möchten die Wissenschaftler nun ermitteln, welche Narkosemitteldosen zur optimalen Sedierung und Anästhesie bei welchem Drogenkonsum nötig sind.

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