Hightech-Kontaktlinsen

Smarte Kontaktlinsen für Diabetiker

Kontaktlinsen

Die Kontaktlinse ist nicht nur eine beliebte Alternative zur Brille, sie entwickelt sich auch mehr und mehr zu einem wichtigen, hochtechnisierten Mittel der Augenheilkunde. In Zukunft wird es deshalb nicht nur darum gehen, mit Hilfe der Linsen Fehlsichtigkeiten zu korrigieren. Sie können überdies präventiv eingesetzt werden – und das nicht nur bei Erkrankungen und Beeinträchtigungen der Sehstärke.

Hamburg (Deutschland). Myopie, oder: Kurzsichtigkeit, ist weltweit nach wie vor auf dem Vormarsch, die Zahl der Betroffenen wächst kontinuierlich an. Allein in Deutschland liegt der Anteil der 25-jährigen, die unter Myopie leiden, inzwischen bei 46 Prozent, meldet der Medical Tribune, als mögliche Gründe nennen Experten etwa häufige Naharbeit, also die Arbeit am Bildschirm, das Lesen auf dem Mobiltelefon und andere, ähnliche Tätigkeiten. Betroffen sind aber auch in zunehmendem Maße Kinder, vor allem in Asien, wo kurzsichtige Kinder mittlerweile zahlenmäßig den normalsichtigen überwiegen. Die Gefahr einer so frühen Myopie-Progression liegt unter anderem in den schwerwiegenden Folgen für das Sehvermögen, die eine solche Erkrankung später haben kann.

Die Entwicklung ist erschreckend, gemessen an der Tatsache, wie leistungsfähig das menschliche Auge in gesundem Zustand sein kann. Allerdings geht es für einen größer werdenden Teil der Menschen vornehmlich um die Frage, mit welchen Mitteln sie die Leistungsfähigkeit ihrer Augen wiederherstellen können. Eines dieser Mittel, das in immer mehr Bereichen der Augenheilkunde Verwendung findet, sind Kontaktlinsen.

Hightech-Linsen: Refraktionsausgleich und darüber hinaus

Kontaktlinsen kommen schon seit vielen Jahrzehnten zum Einsatz, sie dienen in erster Linie dem Refraktionsausgleich – also das „Scharfstellen“ auf bestimmte Objekte – oder im medizinischen Bereich als therapeutisches Mittel gegen Hornhauterkrankungen. Der technologische Fortschritt ermöglicht es indes, die Einsatzbereiche für Kontaktlinsen zunehmend zu erweitern. Während es im Alltag häufig noch um die Frage geht, ob eine Brille oder die Kontaktlinsen die bessere Wahl sind – bei der vorwiegend pragmatische Gründe eine Rolle spielen –, ist die Antwort auf medizinischer Ebene längst gefunden. Gesucht wird hier lediglich nach Lösungen für verschiedenste Probleme.

Gudrun Bischoff, Fachärztin für Augenheilkunde und unter anderem Vorsitzende der Deutschen Augenärztlichen Kontaktlinsen-Gesellschaft, hat die zahlreichen Möglichkeiten, die mit der Entwicklung modernster Kontaktlinsen einhergehen, in einem Beitrag für die Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde zusammengetragen. Ihr Fokus liegt dabei vor allem auf den Einsatzmöglichkeiten, die über die reine Korrektur von Refraktionsfehlern hinausgehen. Sie stellt aber gleichzeitig in diesem Zusammenhang heraus, dass moderne Technologien auch in diesem Bereich sowohl bei konventionellen wie auch bei individuell angepassten Linsen für eine breitere Verwendung gesorgt haben.

Darüber hinaus ist es möglich, Kontaktlinsen in besonderen Fällen zu benutzen. Darunter fallen etwa Komplikationen nach Lasik-Eingriffen (Lasik = Laser-in-situ-Keratomileusis, also ein Eingriff im inneren Teil der Hornhaut), die mit Hilfe der Linsen behoben werden können. Ähnliches gilt für Presbyopie, also Altersweitsichtigkeit, gegen die vielfach immer noch Lesebrillen getragen werden. Der gleiche Effekt kann allerdings mit Bifokallinsen erreicht werden, multifokale Kontaktlinsen funktionieren sogar wie Gleitsichtbrillen. Das Sehen ist aber mit ihnen nicht von der Blickrichtung abhängig, wie es bei den Brillengläsern der Fall ist.

Wichtig im Zusammenhang mit der eingangs angesprochenen Myopie-Problematik ist die Möglichkeit, orthokeratologische Linsen bei der Myopieprävention einzusetzen. Das Wachstum der Bulbus, die bei Kurzsichtigkeit verlängert ist, kann mit den entsprechenden Linsen gestoppt werden, so die Schlussfolgerung von Bischoff.

Ein gänzlich anderer Bereich betrifft das Problem von Augeninfektionen, die durch das regelmäßige Tragen von Kontaktlinsen durchaus mit höherer Wahrscheinlichkeit auftreten können. Das Risiko ist verglichen mit anderen Erkrankungen des Auges zwar immer noch relativ klein, die Folgen bei einer ausbleibenden Behandlung dafür umso gravierender. Spezielle Oberflächenbeschichtungen sollen bei der Infektionsprophylaxe helfen, indem sie die Keime auf der Linse abtöten.

Smarte Linsen für Diabetiker

Einen Einsatzbereich für Kontaktlinsen, den Bischoff in ihrem Beitrag nur anschneidet, ist die Verbindung mit Nanotechnologie, um etwa die Diagnostik bei anderen Erkrankungen zu verbessern, vor allem bei Diabetes. Eines der prominentesten Projekte in dieser Richtung war eine digitale Kontaktlinse, die 2014 vom Google-Mutterkonzern Alphabet vorgestellt wurde. Die grundlegende Idee war, die Linse mit Sensoren und Sendern zu versehen, mit denen der Blutzuckergehalt in der Tränenflüssigkeit gemessen werden sollte.

Der Konzern musste allerdings einräumen, mit seiner Methode nicht die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Verantwortlich dafür sei zum einen die geringe Glukosekonzentration in der Tränenflüssigkeit, zum anderen bestanden Schwierigkeiten, eine stabile Messung zu gewährleisten. Stattdessen würde bei der Google-Schwester Verily inzwischen an anderen Anwendungen für digitale Kontaktlinsen gearbeitet.

Die Forschung an Kontaktlinsen für Diabetiker geht unterdessen weiter, in Südkorea befindet sich am Ulsan National Institute of Science and Technology gerade ein Prototyp in der Testphase, der denselben Zweck wie die von Alphabet entwickelte Linse erfüllen soll. Getestet wird derzeit allerdings noch an Kaninchen, vorläufig fehlt den Forschern ein Partner, der die Kontaktlinsen für klinische Studien produzieren kann. Von der Marktreife ist daher auch die südkoreanische Entwicklung noch weit entfernt.

An der Oregon State University wird trotzdem bereits an einer Kontaktlinse geforscht, die über die Glukosemessung hinaus helfen soll: Dazu soll sie neben der Konzentration des Blutzuckers auch die Harnsäurewerte und Veränderungen des pH-Werts ermitteln. Der Kinderdiatologe Thomas Danne, Chefarzt des Kinderkrankenhauses „Auf der Bult“ in Hannover, sieht darin eine wichtige Möglichkeit, um Folgen neuerer Medikamente für die Behandlung von Typ-1- und Typ-2-Diabetes rechtzeitig zu erkennen. In beiden Fällen muss allerdings davon ausgegangen werden, dass die ungleichmäßige Produktion der Tränenflüssigkeit sich ebenfalls als Problem herausstellt.

0 Kommentare

Schreib uns deine Meinung
Diese Seite ist geschützt durch reCAPTCHA und es gelten folgende Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen von Google.