Stammzellenforschung

Wissenschaftler erzeugen Embryo mit drei Eltern

Wissenschaftler erzeugen Embryo mit drei Eltern

Amerikanische Wissenschaftler haben Embryonen erzeugt, die das Erbgut von drei Erwachsenen in sich tragen. Dadurch lassen sich bestimmte Erbkrankheiten im Vorfeld ausschalten. Ob diese Methode allerdings jemals beim Menschen angewendet wird, ist fraglich.

Portland (U.S.A.). Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein Kind zur Hälfte das Erbgut der Mutter und zur Hälfte das Erbgut des Vaters in sich trägt. Nimmt man es jedoch ganz genau, so ist das Gleichgewicht etwas verschoben, denn in den sogenannten Mitochondrien, welche auch als Kraftwerk der Eizelle bezeichnet werden, finden sich zusätzliche Erbinformationen der Mutter. Somit trägt ein Kind immer etwas mehr als die Hälfte der Erbinformationen von der Mutter in sich.

Eine Vielzahl von Erbkrankheiten, welche auch als Mitochondriopathien bezeichnet werden, gehen auf genetische Defekte in den Mitochondrien zurück. Mediziner und Forscher gehen davon aus, dass etwa ein Kind von 5.000 bis 10.000 Kinder unter Krankheiten leidet, dessen Auslöser genau ein solcher Gendefekt in den Mitochondrien ist. Zu den Erbkrankheiten gehören unter anderem Nierenversagen oder epileptische Anfälle.

Amerikanische Forscher haben nun menschliche Embryonen im Labor erzeugt, die das Erbgut aus dem Zellkern einer Frau und eines Mannes in sich tragen. Die Mitochondrien stammen zudem von einer zweiten Frau. Somit trägt das Kind den genetischen Code von drei Menschen in sich. Forscher gehen davon aus, dass sich die Mitochondriopathien, also die Erbkrankheiten, auf diesem Wege einmal abschalten lassen. Die aktuellen Forschungsarbeiten sind bisher aber reine Grundlagenforschung, wie Shoukhrat Mitalipov der Oregon Health & Sciences University im Fachblatt Nature berichtet.

Für das Erzeugen eines Embryonen benötigen die Wissenschaftler zwei Eizellen unterschiedlicher Frauen. Aus einer Eizelle wird der gesamte Zellkern entfernt und durch den Zellkern der zweiten Eizelle ersetzt. Anschließend wird die Eizelle mit einem Spermium befruchtet. Würde bei einer Frau nachgewiesen werden, dass diese in den Mitochondrien Erbkrankheiten an ihr Kind weitergeben würde, so könnten Mediziner die Mitochondrien durch die einer gesunden Frau ersetzen.

Neben den Laborexperimenten an menschlichen Embryonen, experimentieren Forscher auch an Rhesusaffen. Bisher sind alle Rhesusaffen, die im Jahr 2009 geboren wurden, normal und ohne Erbkrankheiten aufgewachsen.

Ob der Versuch mit Affen ein sicherer Indikator dafür ist, dass sich durch diese Methodik tatsächlich Erbkrankheiten ausschalten lassen, ist noch nicht sicher, jedoch sind alle bisherigen Versuche erfolgreich verlaufen. Hinzu kommen die ethischen Probleme, welche die Erzeugung eines Kindes mit drei medizinischen Eltern mit sich bringen würden.

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