Schönheitsbonus

Kleidung beeinflusst das Gehalt und die Karrierechancen

Kleidung beeinflusst die berufliche Laufbahn

Attraktive Menschen erhalten bereits beim Berufseinstieg bessere Jobangebote und verdienen bis zu 20 Prozent mehr als ihre weniger attraktiven Kollegen. Hierbei spielt auch die richtige Kleidung neben körperlichen Faktoren eine große Rolle.

Bonn (Deutschland). Der US-Wissenschaftler Albert Mehrabian hat bereits vor etwa 50 Jahren herausgefunden, dass beim ersten Eindruck das Äußerliche eines Menschen von seinem Gegenüber zu 55 Prozent in die Bewertung der Person einfließt. Laut den von Mehrabian durchgeführten Experimenten wird außerdem die Stimme mit 38 Prozent in der Bewertung berücksichtigt, während der eigentliche Inhalt des Gesagten nur zu sieben Prozent einfließt. Inzwischen wurden die Ergebnisse von Mehrabian durch zahlreiche Studien anderer Attraktivitätsforscher bestätigt.

Dass Attraktivität, bei deren Bewertung neben körperlichen Faktoren und dem Charakter des Menschen auch seine Kleidung einfließt, nicht nur bei der Partnersuche, sondern auch im Beruf von hoher Bedeutung ist, hat kürzlich das in Bonn beheimatete Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) herausgefunden. Laut der im Fachmagazin IZA World of Labor veröffentlichten Studie erhöht hochwertige und zeitlose Kleidung sowohl bei Frauen als auch bei Männern die Karrierechancen.

Schönheitsbonus in Deutschland größer als in den USA

Wie Eva Sierminska, Autorin der Studie erklärt verdienen als besonders attraktiv empfundenen Frauen im Mittel 20 Prozent mehr als ihre Kolleginnen. Bei attraktiven Männern liegt das Gehalt 14 Prozent über dem Durchschnitt. Im Vergleich zur ebenfalls wissenschaftlich untersuchten Situation in Brasilien und den USA fällt der Schönheitsbonus damit in Deutschland überdurchschnittlich hoch.

Eine im Fachmagazin Clothing and Textiles Research Journal publizierte Studie der Bowling Green State University geht noch einen Schritt weiter und zeigt, dass bereits in der Schule gut angezogene und als attraktiv empfundene Schüler von den Lehrern unterbewusst als intelligenter eingestuft werden. Die dadurch beeinflusste Notengebung und das gesteigerte Selbstwertgefühl der Schüler zieht sich bis zum Berufsstart durch, bei dem sich attraktivere Menschen häufiger auf gut bezahlte Einstiegspositionen bewerben.

Bewerbungsverfahren ohne Fotos könnten Diskriminierung verringern

Laut Sierminska „sind in Deutschland Bewerbungsfotos noch immer Standard. Wer vom ersten optischen Eindruck her nicht überzeugt, wird häufig gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Anonymisierte Bewerbungen würden helfen, diese oft unbewusste Diskriminierung durch Personaler zu reduzieren.“ Die Wissenschaftler empfehlen daher, dass Unternehmen freiwillig auf anonymisierter Bewerbungsverfahren ohne Fotos setzen sollten, um die Diskriminierung aufgrund des Äußeren zu verringern.

Kleidungsstile für mehr Erfolg

Auch eine Studie der Universität Yale, die im wissenschaftlichen Journal APA SycnNET erschienen ist, kam zu dem Ergebnis, dass Kleidung die von Kollegen und Vorgesetzten empfundene Dominanz und Leistung im Beruf maßgeblich beeinflusst. Dies liegt laut Wissenschaftlern der Columbia University, die im Fachmagazin Social Psychological and Personality Science eine Studie veröffentlicht haben, unter anderem daran, dass besser gekleidete Personen im Durchschnitt größer und abstrakter Denken und so oft unabhängig von ihrer tatsächlichen Position im Unternehmen als informelle Führungspersonen wahrgenommen werden.

Wie der Modeexperte Steven Mills erklärt, „sollten vor allem Männer in Führungspositionen Erfolg ausstrahlen.“ Bei der Wahl der Kleidung ist laut ihm „weniger mehr“. Konkret bedeutet dies, dass im beruflichen Alltag in den meisten Branchen eher dezente Farben wie Blau, Grau und Schwarz gewählt werden sollten. Ausnahmen bilden hier beispielsweise kreative Branchen, bei denen laut Mills mehr Freiheiten bei der Kleidungswahl möglich sind.

Die Sozialpsychologin Maria Agthe von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) fügt hinzu, dass „Menschen aus bestimmten Signalen wie Luxusartikel und Markenkleidung auf die Expertise schließen.“ Der sogenannte Halo-Effekt, der Menschen erfolgreicher und intelligenter erscheinen lässt, kann laut der Wissenschaftlerin gezielt zur Steigerung der Karrierechancen genutzt werden. Dabei sollte aber besonders in Deutschland auf eher dezente Produkte gesetzt werden, die nicht zu protzig wirken und damit einen negativen Effekt auslösen könnten.

IZA World of Labor, doi: 10.15185/izawol.161

Clothing and Textiles Research Journal, 10.1177/0887302X9100900401

APA SycnNET, doi: 10.1037/xge0000023

Social Psychological and Personality Science, doi: 10.1177/1948550615579462

3 Kommentare

Udo Schreck
Ich diskriminierende regelmäßig. Das heißt ich unterscheide. Ich wäge ab. Und wenn mir meine Lebenserfahrung von Menschen mit bestimmten optischen Merkmalen abrät, dann will ich das Recht behalten, abzulehnen. Und wenn ich Menschen aufgrund ihrer Schönheit ein größeres Potential zutraue, dann will ich sie bevorzugen können. Auch das ist diskriminieren.
Zu diskriminieren ist ein Menschenrecht.
Diskriminierungsverbote sind faschistisch. Sie wollen aufgrund einer Ideologie ein bestimmtes Verhalten erzwingen und bei Zuwiderhandlung bestrafen. (Faschismusmerkmal)
Im übrigen transportieren die Menschen durch ihr Outfit immer eine Botschaft über ihre Persönlichkeit. Sie wollen sich durch ihr Erscheinungsbild individualisieren.
Das Ziel und die Botschaft lautet also: „Seht her, - ich bin der und der, also behandelt mich bitte so.
Diese „wissenschaftliche Ausarbeitung“ ist demnach eine politische Gefälligkeitsarbeit oder sie beschreibt einfach das Offensichtliche und fordert im Anschluss die politisch korrekte Konsequenz.
Sie ist meines Erachtens jedenfalls eine Studie für den Müll.
Brian Tuk
Mir passierte etwas Ähnliches: Ich war ein mehr oder weniger attraktive Person, meine Lehrer und Mitschüler zeigte mich ein bisschen Präferenz, aber ich wollte nicht auf das zu missbrauchen, man kann diese Tatsache ausnutzen aber über andere Personen nicht zu hinweggehen. Ich entschuldige mich für mein deutsch - meine Muttersprache ist spanisch. Gott segne euch.
Brian Tuk
Udo Schreck, du kannst denken wie du willst, dabei aber immer berücksichtigen niemanden zu verletzten.
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