Professionelle Türöffnungen

Studie über Schlüsseldienste zeigt immense Preisspannen

Studie über Schlüsseldienste zeigt immense Preisspannen

In einer bundesweiten Studie wurden die Preise für Türöffnungen von mehr als 2.000 Schlüsseldiensten ermittelt. Das Fazit: Türöffnungen gleichen preislich in ganz Deutschland immer noch einem Lotteriespiel.

Leipzig (Deutschland). Es ist das Geschäft mit der Vergesslichkeit: Nur schnell den Müll rausbringen, ein Windzug lässt die Tür ins Schloss fallen, der Wohnungsschlüssel liegt noch im Haus und schon ist es passiert - man hat sich ausgesperrt. In diesem Fall rückt, sofern bei Freunden, Verwandten oder Nachbarn kein Ersatzschlüssel hinterlegt wurde, der Schlüsseldienst aus und öffnet im Idealfall die Wohnungstür ohne Beschädigungen zu einem fairen Preis – zu mindestens in der Theorie.

Nachdem diverse Fernsehsendungen in den vergangenen Jahren immer wieder über die Abzocke der „Schlüsseldienst-Mafia“ berichtet haben, wollte das Internetportal Geld.de wissen, was sich seitdem in Deutschland getan. Dazu hat das Verbraucherportal eine großangelegte Studie in Auftrag gegeben, in der insgesamt 2.124 Schlüsseldienste aus allen 16 Bundesländern in 723 Städte verdeckt um eine Preisauskunft gebeten wurden. Das Ergebnis: In der Branche wimmelt es noch immer von unseriösen Anbietern.

Stark schwankende Preise für Türöffnungen

Die ermittelten Preise für die Türöffnungen von Schlüsseldiensten variieren stark. So kostet eine durchschnittliche Türöffnung in Göttingen beispielsweise 83 Euro. Die Preise der regionalen Anbieter schwanken dabei zwischen 40 Euro und 143 Euro. In der Nacht sind die Preise üblicherweise höher und lagen in Göttingen zwischen 71 Euro und 202 Euro (im Durchschnitt bei 122 Euro). Beide Durchschnittspreise werden von der Studie, die eine durchschnittliche Handwerksstunde mit 67,13 EUR am Tag und mit 78,59 EUR in der Nacht berechnen, als unseriös ein.

Ein ähnliches Bild zieht sich durch alle getesteten Schlüsseldienste in der Bundesrepublik. In Hannoversch Münden beispielsweise werden am Tag im Durchschnitt 50 Euro für eine Türöffnung fällig. In der Nacht jedoch 350 Euro. Bei so hohen Preisen ist es oftmals günstiger das Schloss selbst aufzubrechen oder eine kleine Fensterscheibe einzuschlagen.

„Telefonisch können wir leider keine Preisauskunft geben“

Bei so vielen unseriösen Anbietern ist es kaum verwunderlich, dass knapp die Hälfte aller angerufenen Schlüsseldienste telefonisch keine Auskunft geben wollte. Von solchen Anbietern raten die Studienautoren sowie das Verbraucherschützer ab. Es sollte grundsätzlich nur jemand beauftragt werden, der klare Auskünfte über die Höhe der Rechnung (inkl. Anfahrtskosten) machen kann und bei dem es sich um ein ortsansässiges Unternehmen handelt.

Neue Preis-Richtlinien für Türöffnungen

Die Bundesfachgruppe Schließ- und Sicherungstechnik (SuS) hat kürzlich eine Preis-Richtlinie für Türöffnung (sogenannte Notöffnungen) veröffentlicht. So sollte eine einfache Türöffnung nicht länger als 30 Minuten dauern und durchschnittlich nicht über 41 Euro kosten. Am Wochenende, Feiertagen und in der Nacht sind Aufschläge von 50 Prozent normal.

Auch die Justiz stellt sich gegen die Schlüsseldienst-Mafia und auf die Seite der Verbraucher. So urteilte kürzlich erst das Oberlandesgericht Hamm, dass es sich bei bewusst getäuschten Firmenadressen, bei denen der jeweilige Schlüsseldienst nachweislich keinen Firmensitz hat, um unlauteren Wettbewerb handelt. Die regionalen Eintragungen auf diversen Internetseiten und den Gelben Seiten diesen laut Gericht nur der Berechnung extrem hoher Anfahrtswege.

Das Gericht verbot dem Unternehmen mit falschen Firmensitzen zu werben. Wer als Betreiber eines Schlüsseldienstes vorspiegelt, in Gemeinden oder Städten Filialen zu betreiben, während die Anrufe der Betroffenen in Call-Centern weitergeleitet werden, macht sich der irreführenden Werbung strafbar.

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