Große Einkommensspanne

Übersetzer: Hochqualifizierte Arbeit mit prekärer Bezahlung?

Übersetzer erzielen in Deutschland oft geringe Einkommen

Deutsche Übersetzer erzielen im europäischen Vergleich sehr geringe Einkommen und leben deshalb trotz ihrer anspruchsvollen Arbeit oft am Existenzminimum.

Berlin (Deutschland). Übersetzungen werden zwar zunehmend auch mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt, hochqualifizierte Übersetzer sind aber weiterhin nötig, um alle Details von technischen oder wissenschaftlichen Fachtexten zu erfassen und die Lesbarkeit und die sprachliche Gestaltung von literarischen Texten auch nach der Übersetzung beizubehalten. Überraschenderweise erzielen Übersetzer in Deutschland, wie auch andere geisterwissenschaftliche Berufsgruppen, trotz ihrer anspruchsvollen Arbeit oft nur geringe Einkommen.

Laut einer Studie des Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e. V. (VdÜ) aus dem Jahre 2018 lag der mittlere Gewinn eines freiberuflichen Übersetzers in Deutschland im Jahr 2016 bei nur 20.746 Euro. Nach Schätzungen der Künstlersozialkasse liegt der Jahresgewinn mit 17.319 Euro sogar noch unterhalb des Ergebnisses des VdÜ. Nach Abzug von Sozialbeiträgen und Steuern liegt das Nettoeinkommen alleinstehender Übersetzer ohne Kinder bei durchschnittlich nur 1.150 Euro.

Auffällig dabei ist, dass Frauen die Übersetzungsdienstleistungen anbieten in Deutschland mit einem durchschnittlichen Gewinn von 21.336 Euro mehr verdienen als ihre männlichen Mitbewerber, deren Gewinn im selben Zeitraum bei nur 18.795 Euro lag. In Österreich lag der Durchschnittsgewinn eines Übersetzer 2016 sogar bei nur 15.801 Euro.

Deutsche Übersetzungsdienstleister im europäischen Vergleich abgeschlagen

Auch eine Studie des Rat der Europäischen Literaturübersetzer-Verbände (CEATL), die die Honorare, die Einkommenssituation und die Marktsituation von Übersetzern der 21 Mitgliedsstaaten in den Jahren 2006 bis 2008 abbildet, zeigt, dass Übersetzer in Deutschland oft geringere Einkommen erzielen als Übersetzer aus wirtschaftlich deutlich schlechter gestellten Ländern.

Anzumerken dabei ist, dass die Studie nicht nach streng wissenschaftlichen Maßstäben erstellt wurde, sondern aufgrund der kleinen Datenbasis teilweise nur auf Schätzungen und Erfahrungen der befragten Übersetzern basiert. Die Hauptursachen dafür sind neben der Anzahl an Übersetzungen, bei denen Deutschland auf dem drittletzten Platz liegt, die geringen Seitenhonorare, die etwa 30 Prozent geringer ausfallen als in Frankreich oder England, also Ländern deren Durchschnittseinkommen etwa auf dem Niveau von Deutschland liegen.

Betrachtet man das Verhältnis aus Einkommenssituation und den Lebenshaltungskosten, die besonders aufgrund steigender Mieten in den Großstädten in den letzten Jahren deutlich gewachsen sind, liegt das Einkommensniveau deutscher Übersetzer im europäischen Vergleich sogar nur im unteren Drittel.

Einkommenssituation nicht bei allen Übersetzern niedrig

Zusammenfassend zeigt die Studie des VdÜ zwar, dass viele hochqualifizierte Menschen, von denen die Mehrzahl über akademische Abschlüsse verfügt, aufgrund der schlechten Bezahlung innerhalb der Branche am Existenzminimum leben. Etwa sieben Prozent der Übersetzer erzielen durch ihre freiberufliche Arbeit aber auch Gewinne zwischen 50.000 Euro und über 85.000 Euro. Neben den angebotenen Sprachen können Übersetzer ihre Einkommen laut einer deutlich umfangreicheren Studie des VdÜ aus dem Jahr 2012 vor allem durch Beteiligungen der Verlage steigern, die in einigen Fällen beispielsweise pro verkauftem Buch ausgeschüttet werden.

0 Kommentare

Schreib uns deine Meinung
Diese Seite ist geschützt durch reCAPTCHA und es gelten folgende Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen von Google.