Spielautomaten am riskantesten

Spielsucht anhand verschiedener Spiele erforscht

Spielsucht

Glücksspielsucht wird zu einem immer größeren Problem. Doch was genau macht ein Spiel zu einer potentiellen Suchtgefahr?

(Deutschland). Glücksspiele sind in Deutschland sowohl in staatlichen Spielbanken als auch in kleineren Automatencasinos und bei Sportwettenanbietern sowohl off- als auch online ein Markt der seit Jahren wächst. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit dem Titel "Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland" die sich auf das Jahr 2017 bezieht haben bereits 78 Prozent aller 16- bis 65-Jährigen Bundesbürger mindestens einmal an einer Form des organisierten Glücksspiels teilgenommen. Der Anteil unter den befragten Männern lag dabei mit 82,2 Prozent deutlich über dem Anteil der befragten Frauen, von denen nur 73 Prozent Glücksspielerfahrung haben.

Als besonders problematisch gilt besonders die Gruppe sehr junger Spieler. Laut der Hamburger Schulbus Erhebung gibt es selbst in der Altersgruppe von 14- bis 14-Jahren 8,5 Prozent Jugendliche die regelmäßig ihr Geld in Glücksspiel investieren. Unter den 16- und 17-Jährigen sind es, obwohl die Betreiber nach §284 StGB "Unerlaubte Veranstaltung eines Glücksspiels" mit hohen Strafen rechnen müssten, bereits 11 Prozent die regelmäßig spielen. Auch in diesen Altersgruppen sind männliche Jugendliche deutlich häufiger vertreten. Das größte Risiko in die Spielsucht abzurutschen haben demnach männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Glücksspielsucht weit verbreitet

Insgesamt nimmt fast die Hälfte der Bevölkerung monatlich an Glücksspiel teil, wenn man auch Lotto 6 aus 49 mit einbezieht. Die Einsätze der meisten Spieler liegen jedoch bei maximal 20 Euro im Monat und gelten daher bei Glücksspielexperten als unproblematisch. Bei etwa 5 Prozent der Spieler liegen die Ausgaben jedoch bereits zwischen 50 und 100 Euro pro Monat und 4 Prozent aller Spieler geben sogar mehr als 100 Euro monatlich aus. Die beliebteste Form des Glücksspiels ist abseits der verschiedenen Lotterien das Spiel am Automaten.

Die Studie der BZgA kam zu dem Ergebnis, dass in Deutschland rund 326.000 Personen ein problematisches Glücksspielverhalten zeigen. 180.000 Personen sind bereits durch ein pathologisches Spielverhalten betroffen, dessen Auswirkungen mit anderen Suchtverhalten vergleichbar ist. Auch hier ist der Anteil männlicher Betroffener deutlich höher.

Gefahrenpotential der einzelnen Glücksspielarten

Die Gründe für ein Abrutschen in die Glückspielsucht sind vielfältig. Neben der persönlichen Disposition der Betroffen ist hierfür vor allem der Aufbau des jeweiligen Glücksspiels verantwortlich, wie verschiedene Studien gezeigt haben. Eine direkte Korrelation die belegt, dass Glücksspielsucht durch einen Casino Bonus gefördert wird, zeigen die Studien jedoch nicht. Stattdessen geht die Wissenschaft davon aus, dass vor allem die folgenden Faktoren entscheidend sind, wie oft und wie schnell ein Spiel zu einem problematischen oder sogar pathologischem Spielverhalten führen kann.

Einflussfaktor 1 – "Beinahe Gewinne"

Spiele die regelmäßig den Eindruck erwecken, dass die Spieler beinahe einen Gewinn erzielt haben, sind häufig Auslöser von Spielsucht. Dies könnte beispielsweise beim Roulette eine Situation seien in der die Kugel nahe der Zahl des Spielers gelandet ist oder ein Automat der zwei statt der drei für einen Gewinn erforderlichen Symbole zeigt. Das Gehirn der Spieler reagiert auf diesem Fast-Gewinn ebenfalls mit der Ausschüttung des Glückshormons Dopamin und die Situation wird obwohl ein Verlust eintritt nicht so bewertet. Infolgedessen sind Spieler eher bereits weiteres Geld in das Spiel zu investieren, da ihre Wahrnehmung ihnen suggeriert, dass schon im nächsten Anlauf mit einem großen Gewinn zu rechnen ist.

Einflussfaktor 2 – Der Spieleinsatz oder Jettons, Kreditkarte und Echtgeld

Die Höhe und die Form des Spieleinsatzes hat ebenfalls einen großen Einfluss auf das Suchtpotential. Mehrere kleine Einsätze statt eines großen Einsatzes führen dazu, dass Spieler bereit sind häufiger und länger an Spielen teilzunehmen, da die Verluste subjektiv als geringer eingeschätzt werden. Außerdem wird mit Jettons leichtfertiger umgegangen als mit Bargeld oder EC- beziehungsweise Kreditkartenzahlungen, da der Spieler unbewusst das einmal umgetauschte Geld weniger mit seinem tatsächlichen Wert in Verbindung bringt. Studien ergaben, dass Spieler wesentlich leichtfertiger den selben Einsatz in Jettons tätigen, sobald sie ihr Geld einmal umgetauscht haben. Auch die durchschnittliche Einsatzhöhe ist bei Jettons größer als bei Bargeldspielen.

Einflussfaktor 3 – Schnelle Spiele und häufige Erfolgserlebnisse

Schnelle Spiele, blinkende Lichter und häufige Gewinne aber auch Verluste führen dazu, dass Spieler bereits sind mit Aussicht auf den nächsten Gewinn weitere Spiele zu bezahlen. Dies nutzen vor allem Automaten bei denen praktisch im Sekundentakt neue Spiele gestartet werden. Die "Jagd" nachdem nächsten Gewinn ist eine der größten Risiken die Personen mit Glücksspielsucht-Disposition in die Spielsucht führen können.

Einflussfaktor 4 – Aktive Einbeziehung des Spielers

Die Gefahr das ein Spiel zu problematisches Verhalten führt steigt mit der Einbeziehung des Spielers. Umso aktiver ein Spieler das Spiel beeinflussen kann, wie es er beispielsweise bei Spielautomaten durch die Stopp- und Risiko-Tasten tut, umso schneller kann das Spiel süchtig machen. Dies wird dadurch verursacht, dass der Spieler den Eindruck erhält das Ergebnis beeinflussen zu können. Dabei wird ausgeblendet, dass so gut wie alle Glücksspielvarianten einen negativen Erwartungswert haben und die Spieler unabhängig von ihren Entscheidungen langfristig verlieren. Dies wird verursacht durch den Trugschluss, dass Spieler durch ihr als zu hoch eingeschätztes Wissen und die ebenfalls überschätzten Spielfähigkeiten den Eindruck erhalten, dass sie das Spiel "schlagen können".

Einflussfaktor 5 – Hohe Gewinnsummen

Hohe mögliche Maximalgewinne, sei es der Lotto Jackpot oder die Maximalauszahlung eines Automaten führen ebenfalls zu einem höheren Spielsuchtrisiko. Dies wird vor allem dadurch ausgelöst, dass Spieler die statisch vorhandene negative Erwartungshaltung ausblenden und nur die Chance eines hohen Gewinnes und der daraus entstehenden positiven Folgen in den Vordergrund stellen.

Einflussfaktor 6 – Örtliche und zeitliche Verfügbarkeit des Glückspielangebots

Glücksspielangebote machen schneller süchtig, wenn sie zeitlich und örtlich ständig verfügbar sind. Aus diesem Grund wurde festgestellt, dass derselbe Spielautomat durch seine Aufstellung in Gaststätten oder kleineren Automatencasinos mehr problematische Spieler verursacht, als Automaten in staatlich regulierten Casinos. Dies wird dadurch verursacht, dass Spielhallen und Gaststätten aber auch das Online-Spielangebot praktisch immer verfügbar sind und keine lange Wege anfallen. Es handelt sich bei diesen "Einstiegsangeboten" die anfangs typischerweise nicht gezielt aufgesucht werden, sondern beispielsweise beim Kneipenbesuch einfach nebensächlich vorhanden sind als sogenannte "auslösende Reize" für eine spätere Glücksspielsucht.

Einflussfaktor 7 – Häufige Auszahlungen von Gewinnen

Kurze Spiele bei denen Spieler häufig kleine Erfolgserlebnisse und die damit verbundenen Dopaminausschüttungen erleben führen dazu, dass die erhaltenen Gewinne fast immer direkt wieder in neue Spielrunden investiert werden. Es entsteht so ein Kreis von kleinen Gewinnen, die direkt wieder eingezahlt werden und praktisch nie das Casino verlassen. Beim später eintretenden Verlust sind meistens die positiven Erinnerungen an die Gewinne im Vordergrund und die Spieler sind leichter wieder bereits einiges Geld in weitere Spiele zu investieren, als bei Spielen bei denen Gewinne nur selten erzielt werden können.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass das Potential ein Suchtverhalten auszulösen laut der Studie "Pathologisches Glücksspielen und Epidemiologie (PAGE): Entstehung, Komorbidität, Remission und Behandlung" die die Universitätsmedizin Greifswald und die Universität zu Lübeck im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland erstellt haben, bei klassischen Spielautomaten in Spielhallten und Gaststätten am höchsten liegt. Im Vergleich zu allen anderen Glücksspielvarianten werden Nutzer von Spielautomaten rund 6,3mal so oft spielsüchtig. Auf dem zweiten Platz der Gefährdungsskala findet sich Poker, gefolgt von Sport- und Pferdewetten. Glücksspielautomaten in Casinos und Spielbanken sind laut den Wissenschaftlern weniger problematisch als Automaten in Gaststätten und Spielhallen, da ihre Verfügbarkeit deutlich eingeschränkter ist.

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