Deutschland

Türkische Namen sorgen für Diskriminierung bei Mitfahrgelegenheiten

Diskriminierung bei Mitfahrgelegenheiten

Profile mit türkischen Namen werden bei Online-Plattformen für Mitfahrgelegenheiten im Vergleich zu Profilen mit deutschen Namen benachteiligt. Wissenschaftler der Universität zu Köln verlangen deshalb, dass Anfragen nur noch anonymisiert erfolgen sollen.

Köln (Deutschland). Eine Studie der Universität von Pennsylvania zeigte kürzlich, dass Frauen mit Kopftuch in Deutschland in Alltagssituationen weniger oft geholfen wird als Frauen mit einem mitteleuropäischen Aussehen. Wissenschaftler der Universität zu Köln haben nun untersucht, ob bereits ein ausländischer Name ausreicht, um bei Online-Plattformen für Mitfahrgelegenheiten, bei denen Personen freie Plätze in ihren privaten Autos anbieten, benachteiligt zu werden. Zusätzlich wurde untersucht, ob neben der Ethnie auch das Geschlecht eine Rolle spielt.

Laut der im Fachmagazin Population, Space and Place veröffentlichen Studie haben die Wissenschaftler dafür Profile bei verschiedenen Plattformen zum Anbieten von Mitfahrgelegenheiten eröffnet. Genutzt wurden sowohl deutsche als auch türkische weibliche und männliche Name. Angeschrieben haben die Wissenschaftler damit 925 ausschließlich männliche Anzeigenersteller.

Antwort und Reihenfolge der Antworten analysiert

Anschließend ermittelten die Studienautoren wie oft die jeweiligen Profile eine positive Antwort erhielten, wie die Antwortzeit auf Anfragen war und in welcher Reihenfolge den vier fiktiven Profilen geantwortet wurde. Es zeigte sich dabei deutlich, dass sowohl die Ethnie als auch das Geschlecht eine große Rolle bei Mitfahrgelegenheiten spielen. Lediglich bei der Antwortzeit gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den vier Profilen, im Punkte Reihenfolge der Beantwortung und der Zustimmung zur Mitnahme hingegen schon.

Die höchste Erfolgsquote hatte bei dem sozialen Experiment mit 71 Prozent das Profil mit dem deutschen Frauennamen. Das türkische Männerprofil kam hingegen auf nur 44 Prozent positive Antwort. Männer mit deutschem Namen und Frauen mit türkischem Namen lagen mit jeweils 60 Prozent positiven Antworten gleichauf.

Keine regionalen Unterschiede

Zusätzlich werteten die Wissenschaftler aus, ob es regionale Differenzen bei der Diskriminierung aufgrund von Geschlecht und Ethnie gibt. Es zeigte sich dabei, dass zwischen dem Osten und Westen von Deutschland keine signifikanten Unterschiede vorliegen. Laut Dr. Sarah Carol, Autorin der Studie „überrascht dieses Ergebnis auf den ersten, da der Osten Deutschlands in früheren Untersuchungen eine höhere Fremdenfeindlichkeit besonders gegenüber Muslimen aufwies, zu denen ein großer Teil der türkischen Minderheit gehört. Ein Grund für das vor diesem Hintergrund unerwartete Ergebnis könnte sein, dass die Fahrer in ihren Einstellungen von der Durchschnittsbevölkerung abweichen und unter Umständen offener gegenüber Menschen anderer Gruppen sind. Außerdem waren Mitfahrgelegenheiten in manchen ehemaligen sozialistischen Ländern etablierter.“

Um in Zukunft die Diskriminierung bei Plattformen für Mitfahrgelegenheiten zu verhindern schlagen die Wissenschaftler vor, dass das Geschlecht und die ethnische Herkunft bei Anfragen verborgen bleibt. Carol erklärt, dass „ansonsten die festgestellte, bestehende Diskriminierung weiter fortgesetzt wird.“

Population, Space and Place, doi: 10.1002/psp.2249

1 Kommentar

Christianro
Das hat alles treffende Gründe. Es hat nichts mit Diskriminierung zu tun sondern mit dem Verhalten der betroffenen Personengruppe. Ich könnte ihnen 50 persönliche sehr negative Erfahrungen mitteilen. Aber das darf ich ja in Deutschland nicht.
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