Klimaschutz

Diesel sauberer als Elektro-Autos

Diesel sauberer als Elektro-Autos

Derzeit stuft die Europäische Union E-Autos als emissionsfrei ein. Laut einer Studie des ifo Instituts erzeugt ein Tesla Model 3 unter Berücksichtigung der Produktion des Akkus und der Stromerzeugung jedoch mehr CO2 als ein vergleichbares Mercedes Dieselfahrzeug. Die Wissenschaftler empfehlen daher Erdgas als Zwischenlösung bis Autos mit Wasserstoff oder grünem Methan angetrieben werden können.

München (Deutschland). Elektro-Autos werden von vielen Personen als wichtiger Bestandteil zum Klimaschutz angesehen. Auch die Gesetzgebung der Europäischen Union (EU) sieht Elektroantriebe als saubere Alternative zu herkömmlichen Verbrennungsmotoren und berechnet daher Elektro-Autos bei der Ermittlung der Flottenemissionen eines Herstellers mit einen CO2-Emissionswert von null ein. Laut einer Studie des ifo Schnelldienst (PDF) sieht die Realität deutlich anders aus. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass unter Berücksichtigung aller während der Produktion und des Betriebs aufgetretenen CO2-Emissionen ein vergleichbares Diesel-Auto in Deutschland sogar sauberer ist als ein E-Auto.

Im Zuge der Studie hat das ifo Institut als Vergleichsfahrzeuge einen Mercedes C 220d mit Dieselmotor und einen Tesla Model 3 mit Elektro-Motor genutzt. Die Wissenschaftler um den Kölner Physikprofessors Christoph Buchal haben nicht nur die CO2-Emmissionen berücksichtigt, die beim Fahren anfallen, sondern bereits bei der Gewinnung der Rohstoffe angefangen. Besonders hier sehen die Wissenschaftler große Nachteile bei Elektro-Autos.

Akkuproduktion sorgt für 11 bis 15 Tonnen CO2

Die Produktion eines einzigen Tesla Model 3 Akkus benötigt so viel Lithium, Kobalt und Mangan, dass bei der Förderung der Metalle 11 bis 15 Tonnen CO2 freigesetzt werden. Umgerechnet auf eine Haltbarkeit von 10 Jahren und eine jährliche Fahrleistung von 15.000 Kilometern erzeugt der Tesla Model 3 so bereits allein durch über die Produktion seines Akkus 73 bis 98 Gramm CO2 pro zurückgelegten Kilometer.

Außerdem haben die Wissenschaftler die CO2-Emmission eingerechnet, die Aufgrund der Stromproduktion entstehen. In Deutschland wird derzeit noch 52,6 Prozent des Strombedarfs über fossile Energiequellen gedeckt, regenerative Energiequellen haben einen Anteil von 35,6 Prozent und Atomenergie trägt mit 11,8 Prozent zur Stromversorgung bei. Insgesamt erzeugt der Tesla Mode 3 damit in Deutschland laut der Studie je gefahrenem Kilometer 156 bis 181 Gramm CO2.

In anderen Ländern wie zum Beispiel Norwegen, in dem E-Autos bereits einen Anteil von über 50 Prozent haben, gelten diese Werte nicht. Dies liegt an der Stromproduktion, die dort zu großen Teilen über emissionsfreie Wasserkraftwerke erfolgt.

11 bis 28 Prozent mehr CO2 als bei Diesel

Der Mercedes C 220d benötigt im NEF-Zyklus 4,5 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Laut Mercedes liegt der CO2-Ausstoß im Betrieb bei 117 Gramm pro Kilometer. Zusätzlich verursacht das Dieselfahrzeug laut den Wissenschaftlern pro Kilometer 25 Gramm CO2-Emissionen, die bei der Förderung, Verarbeitung und dem Transport des Treibstoffs entstehen. Die Höhe der sogenannten Well-to-Tank (Förderstelle zu Tank) Emissionen wurden aus einer Studie der Europäischen Kommission übernommen.

Insgesamt liegen die CO2-Emissionen des Mercedes Mittelklasse-Autos damit bei 141 Gramm pro Kilometer, was 11 bis 28 Prozent unter den CO2-Emissionen des Tesla Model 3 liegt.

Grenzwert von 59 Gramm pro Kilometer nicht einzuhalten

Die Null-Emission-Einstufung von E-Autos durch die EU wird von den Wissenschaftlern als „Täuschung“ kritisiert. Auch den ab 2030 vorgeschriebenen Grenzwert von 59 Gramm pro Kilometer halten die Autoren der Studie für „ingenieurtechnisch unrealistisch.“ Bei aktuellen Verbrennungsmotoren entspricht dies einem Verbrauch von 2,6 Liter Benzin oder 2,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer.

Stattdessen schlagen die Wissenschaftler vor auch andere Antriebsarten stärker in den Fokus zu rücken. Als ideale Übergangslösung sehen sie Verbrennungsmotoren mit Erdgas, die bereits beim aktuellen Stand der Technik etwa 30 Prozent weniger CO2 emittieren als Diesel- und Benzin-Fahrzeuge. Als finale Lösung der Mobilitätsfrage kommt laut der Studie entweder Wasserstoff oder „grünes Methan“ in Frage, wenn dieses aus CO2-freien Energiequellen gewonnen werden kann.

Professor Hans-Werner Sinn, ehemaliger Präsident des ifo ifo Instituts für Wirtschaftsforschung appelliert daher an die Bundesregierung „technologieoffen zu denken und auch Wasserstoff- und Methantechnologie zu fördern.“

4 Kommentare

Martin Blapp
Traue nie einer Statistik ausser wenn du sie selbst gefälscht hast ...

1.) Die Erdöl-Produktion und Lieferkette von Diesel wird nicht eingerechnet.
2.) Die Herstellung der Dieselmotoren wird nicht eingerechnet
3.) Akus können auch als nachhaltiger Produktion kommen
4.) Der Strom für die Elektroautos kommt optimalerweise vom eigenen Dach
Steffen Holtz
1.) Das wird sie sehr wohl, das sind die im Artikel erwähnten 25 Gramm
2.) doch, das wird sie, laut der Ifo-Quelle sind die Produktionsemission bei Elektro- und Diesel PKW etwa gleichfertig abgesehen von der Batterie (Seite 44, Fußnote 5)
3.) muss gestehen, ich hab noch nichts über marktfähige nachhaltige Akkus gehört. Könnten Sie Ihre Quelle mit mir teilen ?
4.) womit er anderswo im Stromnetz nicht verfügbar ist und dort mehr Kohle-Strom genutzt wird (ebenfalls der ifo Quelle zu entnehmen)
Ralf
Unglaublich wie nun auch eigentlich angesehene Professoren die Zahlen zu Gunsten der deutschen Automobillobby verdrehen...
guggst du:
https://www.wiwo.de/technologie/mobilitaet/ist-das-e-auto-ein-rueckschritt-was-hans-werner-sinn-bei-seiner-elektroauto-studie-uebersehen-hat/24237236.html
Ralf
Es gibt eine Menge gegenteilige Studien. Es auch keine echte Studie, sondern eine simple Rechnung mit vielen geschätzten Werten. Trotzdem wird sie als echtes Wissen dargestellt und in der Überschrift die Sauberkeit eines Antriebs auf den CO2 Ausstoß reduziert.
Warum wird explizit ein Mercedes 220 d erwähnt?
Warum wird kein Benziner zum Vergleich herangezogen?
Warum wird der mehr als unrealistische Fahrzyklus NEFZ benutzt?
Wer verbraucht verbraucht mit einem Merceds 220 d nur 4,5 l / 100 km und das nicht mit warmem Motor bei idealer Drehzahl und 90 km/h?
Warum wird eine irrelevante Beispielrechnung mit reiner Braunkohle als Stromquelle hinzugefügt?
Warum wird das Autoleben auf 150.000 km begrenzt und dann alles von Null an wieder hergestellt?
Warum werden andere Belastungen wie Feinstaub, Stickoxyde nicht erwähnt?
Was ist mit Feinstaub von Bremsen und Kupplung und was wird dabei überhaupt als Feinstaub freigesetzt?
Was ist mit den Giftstoffen / Nervengiften aus unsauberer Verbrennung und der Verbrennung von Motoröl auf den ersten 10 - 20 km mit kaltem Motor oder bei alternden Motoren?
Der Artikel sagt auch, dass Verbrennungsmotoren kaum Steigerungspotential haben und dass sich die Klimabilanz batteriebetriebener Fahrzeuge mit dem Strommix verbessert.
Der Diesel wurde bei der Rechnung etwas bevorzugt, das wäre nicht nötig gewesen, wäre das Elektroauto wirklich viel schlechter in der CO2 Bilanz.
Die Bilanz scheint momentan ähnlich, die Entwicklung des Strommix und der Batterieherstellung geben dem Elektroauto aber Verbesserungspotential.
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