Biodiversität bedroht

Drei Viertel aller Flüsse durch Staudämme eingeschränkt

Drei Viertel aller Flüsse durch Staudämme eingeschränkt

Weltweit ist nur ein Viertel aller langen Flüsse nicht durch Staudämme oder andere menschliche Einflüsse eingeschränkt. Insgesamt konnten die Wissenschaftler 2,8 Millionen Dämme finden, die sich auf 300.000 untersuchte Flüsse aufteilen. Die Folgen für die Biodiversität sind enorm, da Fische nicht mehr frei reisen können und Sedimente und Nährstoffe nicht mehr transportiert werden.

Québec (Kanada). Tübingen (Deutschland). Wissenschaftler der McGill University haben im Fachmagazin Nature gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Tübingen eine Studie veröffentlicht, die den Einfluss des Menschen auf große Flüsse untersucht hat. Binnengewässer gehören derzeit noch zu den artenreichsten und produktivsten Ökosystemen der Erde, der zunehmende Eingriff des Menschen hat aber auch hier bereits große Veränderungen verursacht.

Laut den Wissenschaftlern ist nur noch ein Viertel aller großen Flüsse frei von Staudämmen oder anderen künstlichen Regulierungen, die den Fluss des Wassers behindern. Der zunehmend eingeschränkte Wasserfluss sorgt dafür, dass die Reisen von Fischen und anderen Lebewesen behindert werden und das Sedimente und Nährstoffe nicht mehr frei transportiert werden können, was einen Rückgang der Biodiversität verursacht.

300.000 Flüsse untersucht

Im Zuge der Studie haben die Wissenschaftler mehr als 300.000 Flüsse, die eine Gesamtlänge von zwölf Millionen Kilometern besitzen, auf ihre Konnektivität untersucht. Die Konnektivität beschreibt die Vernetzung eines Flusses mit dem Grundwasser, anderen Flüssen und dem Stoffaustausch mit angeschlossenen Biotopen. Als Hauptgrund für die Einschränkung der Flüsse haben die Wissenschaftler Staudämme und Wasserkraftwerke ausfindig gemacht. Außerdem zeigte die Studie, dass lange Flüsse verhältnismäßig stärker in ihren natürlichen Läufen eingeschränkt werden als kurze Flüsse.

2,8 Millionen Staudämme

Komplett frei fließende Flüsse mit mehr als 1.000 Kilometern Länge gibt es fast ausschließlich in abgelegenen Regionen wie der Arktis sowie dem Kongobecken und der Region des Amazonas. Bei den untersuchten Flüssen wurden rund 2,8 Millionen bereits bestehende Dämme und 3.700 neue Großbauprojekte entdeckt. Besonders die neuen Bauprojekte sind laut den Wissenschaftlern besorgniserregend, da sie hauptsächlich in Regionen entstehen, die bisher kaum vom Menschen beeinflusst wurden und zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde gehören.

Flussmanagement regulieren

Da die letzten freien Flüsse „Information von hunderten Millionen Jahren natürlicher Evolution“ enthalten, ist es essentiell ihren derzeitigen Stand zu erhalten, da die Wissenschaft so Erkenntnisse gewinnen kann, die für die spätere Renaturierung der bereits verbauten Flüsse genutzt werden kann. Neben der Natur sind laut der Studie außerdem auch mehrere hunderte Millionen Menschen unmittelbar davon abhängig, dass die Flüsse weiterhin naturnah erhalten werden.

Klement Tockner, Gewässerökologe und Präsident des österreichischen Wissenschaftsfonds zeigt anhand des Störs die Folgen der Flussverbauung. Die Familie urtümlicher Wanderfische existiert bereits seit 200 Millionen Jahren und hat somit in ihrer Geschichte Eiszeiten und Heißzeiten überlebt. Trotzdem hat der Mensch, durch seine Eingriffe in die Natur innerhalb der letzten 100 Jahre 24 der 26 Störarten so beeinflusst, dass sie jetzt vom Aussterben bedroht sind. Die Hauptursache dafür sind durch menschliche Bauwerke unterbrochene Flüsse, die die natürlichen Wanderruten der Fische einschränken.

Biologe N. LeRoy Poff erklärt in einem Begleitkommentar der Studie, dass „die Arbeit der Wissenschaftler wichtige Fragen dazu beantwortet hat, wie der Artenschutz in Flusssystemen verbessert werden kann.“ Laut dem Biologen zeigen die Daten auch, wie die Flusskonnektivität in Zukunft wiederhergestellt werden kann.

0 Kommentare

Schreib uns deine Meinung
Diese Seite ist geschützt durch reCAPTCHA und es gelten folgende Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen von Google.