Meta-Analyse

Genmais ist gesünder als natürlicher Mais

Genmais ist gesünder als natürlicher Mais

Genmais ist besser als sein Ruf. Im Vergleich zu natürlichem Mais liegt der Anteil an Pilzgiften deutlich niedriger.

Pisa (Italien). Gentechnisch veränderte Lebensmittel haben in Deutschland nicht den besten Ruf. Kritiker befürchten, dass langfristig negative gesundheitliche Folgen für die Konsumenten drohen. Außerdem sind die Auswirkung auf die Umwelt ein häufiges Argument gegen den Anbau von genmanipulierten Pflanzen. Es wird befürchtet, dass sich die Pflanzen frei verbreiten und somit normale Pflanzen und den Bio-Anbau verdrängen könnten. Auch die Wahlfreiheit der Verbraucher wird eingeschränkt. Eigentlich müssen genmanipulierte Lebensmittel gekennzeichnet werden, bei verarbeiteten Produkten wie Käse ist es jedoch nicht erforderlich darauf hinzuweisen, dass die Kuh die die Milch produziert hat, mit genmanipulierten Futter gefüttert wurde.

Genmaisanteil: fast ein Drittel

Zu den weltweit am meisten angebauten gentechnisch manipulierten Pflanzen zählen Soja und Mais, obwohl deren Anbau in vielen Ländern der europäischen Union strikt verboten ist. In den USA sieht die Situation anders aus: Von insgesamt 53,6 Millionen Hektar Anbaufläche für Genmais im Jahr 2015 lagen rund 33 Millionen Hektar in den Vereinigten Staaten. Insgesamt werden 185 Millionen Hektar für den Maisanbau genutzt. Genmais hat also schon einen Anteil von fast 30 Prozent.

Im Normalfall handelt es sich bei Genmais um Pflanzen, deren Erbgut so verändert wurde, dass sie selbstständig das Bt-Protein bilden. In Fachkreisen spricht man deshalb auch von Bt-Mais. Das Bt-Protein wirkt tödlich auf Insekten. Eigentlich wird es vom Bodenbakterium Bacillus thuringiensis erzeugt. Insekten die den so manipulierten Mais essen, vergiften sich beim Konsum.

6.000 Studien ausgewertet

Ein Team rund um die Wissenschaftlerin Elisa Pellegrino von der in Pisa ansässigen Scuola Superiore Sant’Anna haben in einer Meta-Studie mehr als 6.000 Studien analysiert, die zwischen den Jahren 1996 und 2018 in Fachzeitschriften mit Peer-Review publiziert wurden. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler im Fachmagazin Scientific Reports veröffentlicht. Sie untersuchten dabei die Frage, wie gut oder schlecht Genmais wirklich für die Umwelt ist und wie zielgenau er bei der Bekämpfung von Fressfeinden ist? Außerdem untersuchten sie die Auswirkungen von Genmais auf den Menschen. Dabei legten sie den Fokus auf die in vielen Lebensmitteln enthaltenen Pilztoxine.

Die Auswertung der Studien zeigt, dass die Erträge durch Genmais je nach Region 5,6 bis 24,5 Prozent höher liegen als bei konventionellen Pflanzen. Bt-Mais sorgte des Weiteren dafür, dass der Einsatz zusätzlicher Insektiziden reduziert werden konnte. Auch die Zielgenauigkeit bei der Bekämpfung von Insekten ist überraschend hoch. Genmais bekämpft vor allen den Maiszünsler, einen Kleinschmetterling der weltweit etwa vier Prozent der Maisernte vernichtet. Kollateralschäden gibt es jedoch auch. Brackwespen, die die Maiszünsler befallen nehmen so ebenfalls den Wirkstoff auf.

Gesundheitlichen Effekte auf den Menschen

Um zu untersuchen welche gesundheitlichen Effekte Genmais auf den Menschen hat, haben die Wissenschaftler die Pilzgiftkontamination von Mais und Genmais verglichen. Pilztoxine können beim Menschen schwere gesundheitliche Schäden verursachen. Sie gelten als möglicherweise krebserregend und allergen. Die Meta-Studie zeigt, dass Genmais auch in diesem Punkt besser abschneidet als konventionelle Pflanzen. Bei untersuchten Pilzgiften lag die Konzentration um rund ein Drittel niedriger. Dies hat laut den Wissenschaftlern einen direkten Bezug dazu, dass Genmais besser gegen Schädlinge geschützt ist. Insektenfraß sorgt nämlich dafür, dass die Pflanzen anfälliger für Pilze werden.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass laut den Ergebnissen der Meta-Studie Genmais normalen Mais sowohl beim Thema Umweltschutz als auch bei der Gesundheit des Menschen überlegen ist.

8 Kommentare

Tomorgel
Solange Sie kein Mais fressendes Insekt sind, Frau Spielvogel, kann Ihnen dieses Gift nichts anhaben. Es wird erst durch ein ganz spezielles Umfeld (das im Verdauungstrakt von Insekten auftritt, nicht aber indem von Säugetieren) aktiviert - und greift dann einen ganz bestimmten Zellbestandteil an (der nur in bestimmten Insekten existiert, aber nicht in Säugetieren). Vorteil außerdem: alle anderen Insekten, die keinen Mais fressen (Bienen zum Beispiel) sind davon auch nicht betroffen. Die Gefahr, die von den Dieselabgasen der Maiserntemaschinen ausgeht, ist also wesentlich realistischer als eine durch die Genmodifikation.
Raphael Frieß
Soweit ich informiert bin, kommt das Bt-Protein auch im Pollen der Maispflanze vor und dieser wird je nach Windrichtung weiträumig verteilt. Pollen werden von vielen Insekten u.a. Raupen gerne als proteinreiche Nahrung aufgenommen. Von einer zielgerichteten und punktuellen Verteilung von Insektengift kann hier also nur bedingt die Rede sein.
Alexander
Gentechnisch veränderte Lebensmittel sind viel besser erforscht als ihre "natürlichen" Geschwister und keine Pflanze ist von Natur als die perfekte Nahrung für den Menschen gedacht. Wir haben nur über tausende von Jahren nach und nach erkannt, was für uns essbar ist und was nicht. Essbar ist nicht gleich ungiftig oder gesund.
McMolto
Als Ergänzung zu einer Metastudien: Es würde mich mal interessieren, ob es möglich ist die Ergebnisse von Studien mit den Auftraggebern der jeweiligen Studie (oder Trägern,...) zu korrelieren.
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