Tierschutz

Paradoxon – Veggie-Wurst sorgt für mehr tote Tiere

schweine

Verbraucher kaufen aus Gründen des Tierschutzes immer öfter vegetarische Alternativen. Paradoxerweise sterben für die Produktion dabei in einigen Fällen mehr Tiere, als bei der Erzeugung derselben Menge eines echten Fleischprodukts.

Berlin (Deutschland). In deutschen Supermärkten nehmen vegetarische Fleischersatzprodukte wie zum Beispiel Veggie-Wurst einen immer höheren Stellenwert ein. Die vegetarischen Alternativen werden größtenteils von Personen gekauft, die ansonsten auch zu herkömmlichen Fleisch greifen. Überzeugte Vegetarier machen hingegen nur einen kleinen Teil der Käufergruppe aus. Als Hauptgrund für den Kauf nennen Konsumenten den bewussten Verzicht auf Fleisch und den Wunsch nach einer umwelt- und tierfreundlicheren Ernährung.

Laut einer wissenschaftlichen Analyse handelt es sich dabei um einen Irrtum der Verbraucher, da wie eine Berechnung zeigt, für die Herstellung von vegetarischer Wurst mehr Tiere sterben müssen, als für die Produktion der gleichen Menge eines herkömmlichen Produkts aus Fleisch.

Beispiel Mortadella

Die Beispielrechnung betrachtet eine Mortadella eines bekannten deutschen Unternehmens, die laut der Verpackung zu 74 Prozent aus Fleisch besteht. Das durchschnittliche Schlachtgewicht von Schweinen lag 2018 laut einer statischen Erhebung bei 94,25 Kilogramm, von denen 80,6 Prozent für Lebensmittel für den Menschen genutzt werden können. Die übrigen 19,4 Prozent sind Knochen, Fett und andere Reste, die nicht für die Ernährung genutzt werden. Von den verbleibenden 80,6 Prozent werden etwa 11 Prozent für die Produktion der Mortadella eingesetzt.

Insgesamt könnten aus einem 94,25 Kilogramm schweren Schwein also 10,75 Kilogramm Wurstfleisch für die Mortadella gewonnen werden. Würde man das gesamte Schwein zu Mortadella verarbeiten, würden die 75,97 Kilogramm Verzehrfleisch aufgrund des Fleischanteils von 74 Prozent über 102 Kilogramm Mortadella ergeben.

Vegetarische Ersatzprodukte bestehen überwiegend aus Eiern

Das vegetarische Ersatzprodukt desselben Unternehmens besteht mit 70 Prozent zu fast gleichen Anteilen aus Eiweiß. Die Produktion einer vegetarischen 102 Kilogramm schweren Mortadella benötigt also 71,8 Kilogramm Eiklar. Ein Ei enthält davon im Durchschnitt 33 Gramm. Insgesamt wären also 2.174 Eier für die Produktion der vegetarischen Wurst nötig.

In herkömmlichen Betrieben wird eine Legehenne laut einer Erhebung der Albert Schweitzer Stiftung nach 12 bis 15 Monaten geschlachtet. Durchschnittlich legt die Henne pro Jahr 300 Eier. Für die Produktion der für 102 Kilogramm Mortadella erforderlichen Eiweißmenge wären also sechs Hennen notwendig. Zusätzlich sterben auch noch sechs männliche Hühnerküken für die Produktion der Eier, da diese wie die Tierschutzorganisation People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) berichtet umgehend nachdem Schlüpfen getötet werden.

12 Hühner oder ein Schwein

Die Analyse zeigt, dass für die Produktion derselben Menge vegetarischer Mortadella zwölfmal so viele Tiere sterben, wie bei der Erzeugung eines herkömmlichen Produkts. Dabei ist anzumerken, dass es auch vegetarische Fleischersatzprodukte gibt, die fast vollkommen auf Eiklar oder andere tierische Erzeugnisse verzichten können und damit wirklich die Anzahl der getöteten Tiere reduzieren.

5 Kommentare

Christian G.
Deshalb: Vegane Produkte!
Denn Eier und tierische Milch erzeugen genauso viel Tierleid wie Fleisch.
joschua
Vegan leben - genau
Christian
Oder man isst einfach Fleisch wie ein normaler Mensch.
Stefan
Finde ich keinen guten Vergleich!
1. Erstmal ist dies ein Produkt EINES Herstellers. Ich bezweifle, dass viele Produkte aus 70 Eiweiß bestehen.
2. Gewicht eines Schweins mit Hühnereiern vergleichen bringt das Problem mit sich, dass man Äpfeln mit Birnen vergleicht. Hört sich nämlich auch in der Überschrift schon so an, als wäre es allgemein so. Und ich behaupte einfach mal, dass nicht 12 Schweine, statt einem für ein Veggie-Steak/Burger sterben.
3. Macht man diese Rechnung auf, muss man auch weiter rechnen und B sagen. Dann kann man sagen, für 1 Kilo Rindleisch, sterben 10 (gerne durch realistische Zahl ersetzen) Menschen. Es wird Regenwald abgeholzt, weitere Tiere sterben, für Rinder, die dort bspw. grasen. Diese wiederum haben höheren CO2-Ausstoß als alle Autos zusammen. Darüber hinaus werden sie mit Mais, Soja, etc. ernährt, mit denen man x Menschen den Hungertod ersparen würde.
4. Männliche Küken muss ja niemand töten. Genauso wenig, wie man Hühner nach einem Jahr schlachten muss. Zwingt ja niemand die Unternehmen. Nennt sich dann wohl wirtschaftlich.
5. Massentierhaltung, Tiertransporte,... Liste nicht vollständig.

Wahrscheinlich stört mich nur das Aufrechnen von Leben und die Überschrift, welche suggeriert, dass man als Vegetarier "noch böser" ist, als "Allesfresser". Konsequenz dann wieder Fleisch essen, weil man mehr Tiere vor dem Tod bewahrt. Blödsinn. Auch wenn ich nicht (mehr) vegan bin, bin ich dennoch überzeugt davon, dass je weniger Menschen Fleisch essen, desto mehr würde ein Umdenken (siehe Punkt 3+ 4) stattfinden und Hersteller würden anders produzieren und so weiter.

Vegan ist und bleibt die beste und konsequenteste Lebensform, was Tierwohl angeht, allerdings auch die anstrengendste, zeitintensivste und oft teuerste.

Liebe Grüße
Stefan
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